Sage von den Kölner Heinzelmännchen

Die Kölner Heinzelmännchen sind Figuren aus einer alten Kölner Sage, die erzählt, dass diese fleißigen Zwerge in der Nacht die Arbeit der Kölner Bürger erledigten. Leider wollten die Kölner sie fangen, sodass die Heinzelmännchen nie mehr wiederkehrten.

Die Sage von den den Kölner Heinzelmännchen

Nach dem „Deutschen Wörterbuch“ der Gebrüder Grimm kommt der Begriff von dem Verb „heinzen“, das so viel heißt, wie tragen und helfen.

Die Sage geht zurück auf den humorvollen Reim, der die Undankbarkeit und Unzufriedenheit der Menschen in Köln thematisiert, die ihre fleißigen Helfer, die Heinzelmännchen, nicht zu schätzen wussten:

„Vill wohr is et, dat mir he nutt en Kölle,
Doch jet merret drus we es et joelle.
Well merkt et nur nit,
Well kritt et nur nit,
Waat mer et hätt.“

Die Geschichte besagt, dass die Heinzelmännchen in der Stadt Köln lebten und nachts die Arbeit der Menschen erledigten. Sie putzten, wuschen, strickten und verrichteten viele andere Arbeiten. Die Kölner Bürger waren jedoch neugierig und wollten die Heinzelmännchen bei der Arbeit beobachten. Eine Frau streute Erbsen auf die Treppe, und als die Heinzelmännchen darauf ausrutschten, entschieden sie sich, die Stadt zu verlassen und nie wiederzukommen.

Seitdem sollen die Heinzelmännchen nie mehr in Köln in Erscheinung getreten sein. Die Sage diente im Laufe der Zeit als Grundlage für verschiedene literarische Werke, Gedichte und sogar als Inspiration für einen Brunnen in der Kölner Innenstadt, den Heinzelmännchenbrunnen.

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Gedicht von den Kölner Heinzelmännchen (August Kopisch, 1836)

Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul, man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man’s gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten,
Und rupften
Und zupften,
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten…
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,…
War all sein Tagewerk… bereits gemacht!

Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän’ und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
Und sah was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg’ in Eil;
Und sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visierten wie Falken
Und setzten die Balken…
Eh sich’s der Zimmermann versah…
Klapp, stand das ganze Haus… schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich –
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig,
Und hoben
Und schoben,
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,… das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
Wie die Mühl’ im Wind!
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten,
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,…
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein,
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein,
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten,
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt’ ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Das schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Da schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten,
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock… bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! – verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln,
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

Das Gedicht in acht Versen schmückt die Geschichte aus und ist Grundlage für einen Kult, der mit Büchern, Tassen und anderen Merchandising-Artikeln betrieben wird.

Gab es die Kölner Heinzelmännchen wirklich?

Der Begriff „Heinzel“ stammt aus dem Bergbau. Mit Heinzeln wurde Wasser aus Gruben befördert und möglicherweise wurden die Arbeiter Heinzelmänner genannt. Da in niedrigen Minenschächten keine großen Menschen arbeiteten, waren es also vielleicht kleingewachsene Männer oder Jungen, die als Männchen oder eben Heinzelmännchen bezeichnet werden können.

Nachdem dann Pumpen für den Wasserabtransport genutzt wurden, waren die Heinzelmännchen nicht mehr nötig und mussten sich andere Arbeit suchen. So wird berichtet, dass sie nachts als „Schwarzarbeiter“ in Köln arbeiten mussten, um einen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Sage der Kölner Heinzelmännchen könnte also einen wahren Kern haben und an die armen Menschen erinnern, die zu unwürdigen Bedingungen arbeiten mussten.

Es ist anzunehmen, dass sie aber nicht den Handwerkern bei ihren anspruchsvolleren Tätigkeiten halfen, sondern eher die Drecksarbeit übernahmen.


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