Schlagwort: Bingen

  • Der Mäuseturm von Bingen und Erzbischof Hatto

    Der Mäuseturm von Bingen und Erzbischof Hatto

    Die bekannte Sage vom Mäuseturm von Bingen und dem Erzbischof Hatto, der dort seine gerechte Strafe gefunden hat, stammt aus dem 10. Jahrhundert und ist nicht nur in der Region von Mainz und Bingen sehr bekannt.

    Der Mäuseturm von Bingen

    Am Eingang zur schauerlichen Felsschlucht, in die sich der Rhein bei Bingen hineinzwängt, erhebt sich auf dem rechten Ufer des Stroms zwischen den Gesträuchen und Weinbergen der Rüdesheimer Höhen die Ruine der stolzen Burg Ehrenfels; inmitten der brausenden Fluten des Rheins aber ragt auf einer Felseninsel ein düsteres Gemäuer empor, das unter dem Namen „Mäuseturm“ oder „Hattos Turm“ berüchtigt geworden ist. Das alte Bauwerk steht hart bei dem sogenannten Binger Loch, wo der Strom über Klippen rauscht und nur eine enge Durchfahrt freiläßt, die man einst für sehr gefährlich hielt; man glaubte, daß die Trümmer von Fahrzeugen, die das Binger Loch verschlungen, an der Felsenbank von St. Goar wieder zum Vorschein kämen. Aber seit langer Zeit kennt der Schiffer diesen Weg so genau, daß die Durchfahrt nur bei Sturm bedenklich ist; jetzt sind die meisten der gefährlichen Felsen gesprengt. 


    Im Anfang des zehnten Jahrhunderts lebte in jener Gegend ein gewisser Hatto, der durch Wohlleben, Übermut und Hartherzigkeit weithin verrufen war. Der ehrgeizige Mann wurde schließlich zum Erzbischof von Mainz erhoben. Nachdem er jahrelang seines Amtes gewaltet hatte, wurde das gesegnete Land am Rhein von schweren Plagen heimgesucht. Schwüle Hitze brannte die reichen Felder aus; eine starke Wasserflut vernichtete alle Hoffnung auf die Ernte; überall herrschte Not und Teuerung. Nur Hatto spürte nichts davon; denn seine Speicher waren gefüllt, und er scheute sich auch nicht, üblen Getreidewucher mit seinen Vorräten zu treiben. 


    Die Not stieg immer höher, und das arme, ausgehungerte Volk bestürmte den reichen Kirchenfürsten mit der flehentlichen Bitte um Brot. Der hartherzige Mann aber wollte nicht an seine Pflicht erinnert werden und ließ die Armen fortjagen; es seien nur Müßiggänger, sagte er, die sich ihr Brot auf leichte Art durch Bettel erwerben wollten. Doch nur um so stärker erscholl die Klage, man hörte sogar Worte der Verwünschung, aus der die Verzweiflung zu erkennen war. Denn der Erzbischof hatte sich beim Volke durch Bedrückungen schon längst verhaßt gemacht; immer neue Bittsteller vermehrten die Schar der Flehenden, die schließlich mit Gewalt zu drohen schienen, da er ihrem Flehen kein Gehör schenkte. 


    Hatto sah darin einen Aufstand, rief seine Waffenknechte herbei und befahl ihnen, die frechen Empörer zu ergreifen. Die Söldner stürmten heran und zerstreuten die zusammengerottete Menge nach kurzem Widerstand. Groß war die Zahl derer, die man gefangen ins Schloß führte. 
    „Sie trachten nach meiner Frucht“, erklärte Hatto mit bitterem Hohn. „Gut! Man sperre sie in eine der Scheunen!“ Die Knechte schleppten die Ärmsten hinein, und der grausame Herr befahl, die Scheune in Brand zu stecken. Bald loderten die Flammen ringsum empor, und das Klagegeschrei der Unglücklichen, für die jeder Weg zur Rettung verschlossen war, drang zum Himmel. Mit satanischem Gelächter rief der Bischof: „Hört doch, hört, wie die Kornmäuse pfeifen!“ Den Aufruhr hatte der Bösewicht nun unterdrückt, der Strafe Gottes aber vermochte er nicht zu entrinnen. 


    Als sich Hatto am Abend nach dem Mahle in sein prächtiges Schlafgemach zurückzog, hörte er plötzlich ein sonderbares Gepolter und ein durchdringendes Pfeifen. Kalter Schauer fuhr ihm durch die Glieder. Mit einemmal sprangen Mäuse aus allen Wänden und Ritzen und fielen über den erschrockenen Mann her. Heulend rief er seine Diener zu Hilfe; aber sie konnten den dichten Haufen der Tiere nicht, abwehren; die Leute bekreuzten sich entsetzt und flohen. Endlich warf sich Hatto zu Pferd, eilte mit einem Trupp seiner Knechte stromabwärts und suchte Schutz in der Burg Ehrenfels. Doch die Plagegeister wimmelten auch hier durch das ganze Schloß, ihn mit scharfen, quälenden Bissen verfolgend. 


    Nun erwachte Hattos Gewissen, er fühlte seine Sünde und flehte zum Himmel um Hilfe. Aber die gerechte Strafe, die ihn treffen sollte, war noch nicht vollendet. Er floh daraufhin auf einem Kahn zu dem einsamen Turm, der sich auf der kleinen Rheininsel erhob, und – ließ dort sein Bett an Ketten aufhängen. Aber die Mäuse schwammen durch die Flut, kamen ihm nach, schlüpften durch alle Gitter und Löcher und nagten mit scharfem Biß so lange an seinem Leib, bis der geistliche Würdenträger den Geist aufgab. Ja, selbst sein Name, der in die Tapeten des Gemachs gewirkt war, wurde von den Tieren zernagt. 


    Kaum war dies geschehen, so zerstreute sich das ganze Heer der Mäuse und wurde nicht mehr gesehen. Der Ort aber, wo der Bischof seinen gerechten Lohn gefunden, heißt von jener Zeit an der „Mäuseturm“. Noch oft soll bei Nacht, wenn der Sturm braust und die Woge grollt, sein Geist gleich einer grauen Wolke das uralte Gemäuer umschweben; somit hat der Bischof wegen seiner schweren Schuld noch immer nicht die ewige Ruhe gefunden. 

    Autor unbekannt, Rechtschreibung unverändert

    Was ist dran an der Geschichte vom Mäuseturm von Bingen?

    Die Sage vom Mäuseturm von Bingen erzählt von einer düsteren Legende über den Mäuseturm, einen Turm auf einer Insel im Rhein bei Bingen und den qualvollen Tod des Erzbischof Hatto.

    Fakt ist, dass der Mäuseturm ein historisches Gebäude ist, das im Mittelalter als Zollturm und später als Verteidigungsturm genutzt wurde. Es gab jedoch keine historischen Aufzeichnungen, die die Legende Erzbischof Hatto von Mainz und den Mäusen bestätigen könnten. Es wird angenommen, dass die Legende als eine Möglichkeit entstand, die düstere Atmosphäre des Turms oder den Namen des Turms zu erklären oder zu verstärken.

    Der Name könnte aber auch vom althochdeutschen „muta“ (Wegzoll) oder mittelhochdeutschen „mûsen“ (spähen) stammen, was der Funktion des Turms als Zollturm bzw. Mautturm oder Wachturm entsprechen würde.

  • Rhein in Flammen

    Rhein in Flammen

    Rhein in Flammen ist eine Reihe von Großfeuerwerken und Volksfesten entlang des Rheins, die zwischen Mai und September stattfinden. Hierbei finden neben Konzerten und Jahrmärkten auch Schiffstouren statt, die Fahrgäste direkt ans Geschehen transportieren.

    Das ist Rhein in Flammen

    Bei Rhein in Flammen werden entlang des Rheins an mehreren Abenden Großfeuerwerke gezündet. Zu diesem Anlass werden entlang der Schiffsrouten in den Städten zwischen Bad Breisig bzw. Bad Hönningen und Bonn, zwischen Bingen und Rüdesheim, zwischen Spay und Koblenz, zwischen der Loreley und Oberwesel sowie zwischen St. Goar mit Burg Rheinfels und St. Goarshausen mit Burg Katz Volksfeste und Weinfeste mit Fahrgeschäften und Musik veranstaltet.

    Die Anbieter der Rhein-Schifffahrt bilden Konvois von über 50 Schiffen, um mehrere Kilometer durch das wunderschöne Mittelrhein-Tal entlang der Burgen und Städte zu fahren. Wenn es dunkel ist, wird der Rhein traditionell in rotes Licht getaucht und Feuerwerke gezündet.

    StartZielTermin
    Bad Hönningen/Bad BreisigBonn1. Samstag im Mai
    NiederheimbachBingen/Rüdesheim2. Samstag im Juli
    SpayKoblenz2. Samstag im August
    LoreleyOberwesel2. Samstag im September
    St. Goar/Burg RheinfelsSt. Goarshausen/Burg Katz3. Samstag im September
    Routen der Schiffskonvois bei Rhein in Flammen.
    Riesenrad bei Rhein in Flammen in Bonn.
    Riesenrad bei Rhein in Flammen 2006 in der Rheinaue von Bonn (Foto: rheinreise).

    So ist Rhein in Flammen entstanden

    In den 1750er Jahren wurde ein Feuerwerk für den frisch gewählten Trierer Kurfürsten Johann Philipp abgebrannt. In unregelmäßigen Abständen wurde dies widerholt. Zum Beispiel auch für Königin Viktoria von England, während diese im Zug am Rhein entlang fuhr.

    Hier findet Rhein in Flammen statt

    Rhein in Flammen in Bonn

    In Bonn findet Rhein in Flammen am 6. Mai 2023 statt. Allerdings ist das Programm von Freitag bis Sonntag ausgedehnt. Traditionell findet Rhein in Flammen in Bonn am ersten Mai-Samstag statt (4. Mai 2024, 3. Mai 2025). Besonders beeindruckend ist hier das Areal der Bonner Rheinaue mit über 100.000 Besuchern und die Kulisse vor dem Siebengebirge.

    Rhein in Flammen in Bingen und Rüdesheim

    In Bingen und Rüdesheim findet Rhein in Flammen am ersten Juli Samstag statt. Hier ist der Termin der 1. Juli 2023 (6. Juli 2024, 5. Juli 2025). Hier wurden in der Vergangenheit sieben große Feuerwerke auf dem Weg von Niederheimbach bis Trechtingshausen mit den beiden größeren Städten Bingen und Rüdesheim gezündet. Auch zahlreiche Burgen und andere Gemäuer wurden vom Feuerschein angestrahlt.

    Rhein in Flammen in Koblenz

    In Spay und Koblenz findet Rhein in Flammen traditionell am zweiten Samstag im August statt (12. August 2023, 10. August 2024, 09. August 2025). Am Deutschen Eck in Koblenz findet sich Unterhaltung und Verpflegung. Besonders reizvoll ist der Blick auf die Festung Ehrenbreitstein, von wo aus das letzte Feuerwerk gezündet wird. An der Fahrt von Spay nach Koblenz beteiligten sich bereits 80 Schiffe und bildeten damit Europas längsten Korso.

    Rhein in Flammen in Oberwesel

    Oberwesel hat sein Rhein in Flammen am zweiten Samstag im September (9. September 2023, 14. September 2024, 13. September 2025). Hier wird ein musiksynchrones Feuerwerk geboten, welches die ohnehin festlich beleuchtete Stadt noch intensiver beleuchtet.

    Von hier aus ist auch der Loreleyfelsen zu sehen, der ebenfalls in atmosphärisches Licht getaucht ist.

    Rhein in Flammen in St. Goar und St. Goarshausen

    Den Abschluss bildet am dritten Samstag im September (16. September 2023, 21. September 2024, 20. September 2025 und 19. September 2026) St. Goar und St. Goarshausen, wo am Fuße der Loreley mit der Freilichtbühne der Rhein in Licht und Feuerwerk getaucht wird.

    Hier ist die Besonderheit, dass die Konvois nicht eine längere Strecke fahren, sondern zwischen den Städten bei den Burgen liegen.

    Alternativen zu Rhein in Flammen

    Neben dem originalen Rhein in Flammen gibt es noch ähnliche Veranstaltungen in Köln mit den Kölner Lichtern und in Andernach mit dem Fest der Tausend Lichter.

    Quellen